Die Lachepidemie

November – wieder die große Zeit der Viren und Epidemien! Bisher hat mich der Grippevirus verschont, und auch eine gemeine Erkältung ist nicht in Sicht. Ich bin so frech und schreibe meine Resistenz gegen die diversen Schnupfenbazillen dem Lachtraining zu, das ich seit fast drei Jahren betreibe – jawoll! Die Bakterien hunderter von schniefenden Tropfnasen um mich herum haben wohl gegen den Lachvirus meines heiterkeitsgestärkten Immunsystems keine Chance mehr :-)

Bekanntermaßen ist ja nicht nur ein Schnupfen ansteckend sondern auch das Lachen. Welche monströsen Formen das annehmen kann, zeigte sich bei der Lachepidemie in der 60er Jahren in Tansania. Schauplatz der Geschichte: eine Mädchenschule im Dorf Kashasha. Dort fingen am 30. Januar 1963 drei Mädchen an zu kichern. Nichts Ungewöhnliches – sollte man denken. Nur: die Mädchen konnten nicht mehr aufhören! Die meisten anderen Schülerinnen wurden angesteckt und kicherten, prusteten und lachten drauf los. Und das ging so weiter; jeden Tag aufs Neue, bis die Schule am 18. März geschlossen werden musste, weil das Lachen einfach kein Ende nehmen wollte. Im Mai wagte die Schulleitung eine Wiedereröffnung – vergeblich. Ein vernünftiger Unterricht kam nicht zustande, weil die Mädchen immer wieder von Lachattacken befallen wurden, die minuten-, oft stundenlang anhielten. Seltsamerweise waren die Lehrer dagegen immun; kein einziger bekam einen Lachanfall.

Die Sache ging aber noch weiter. Zuhause steckten die Lach-Girlies ihre Familien und Verwandten an, im eigenen Dorf und in den umliegenden Dörfern. Insgesamt waren sage und schreibe vierzehn Schulen und etwa tausend Menschen von der Lachepidemie betroffen. Ein Ende fand dieser kapitale Lachkrampf erst nach zweieinhalb Jahren, nachdem man die „Verantwortlichen“ in Quarantäne gesteckt hatte.

Berichtet hat diese Geschichte der amerikanische Lachforscher Robert Provine; nachzulesen ist sie in dem Büchlein „Der kleine Lachtherapeut“ von Caroline Rusch.

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