Gute Gedanken – schlechte Gedanken

Bald ist wieder Weihnachten! Denken Sie schon daran? Und wenn Sie daran denken, welche Gedanken gehen Ihnen da so durch den Kopf? Vielleicht: “Mein Gott, wenn ich schon dran denke … wieder dieser Stress! Was schenke ich Onkel Albert dieses Jahr … keine Ahnung … und das muss ich noch besorgen, und das darf ich nicht vergessen … immer diese Hektik!” Usw. usw. Oder ist Weihnachten für Sie eher mit angenehmen Dingen verbunden? Sie freuen sich darauf. Sie denken vielleicht: “Das ist schön, wenn wir wieder alle beieinander sind und ein paar ruhige Tage in der Familie genießen können.” Oder Sie denken: “Ach Gott … Weihnachten … alle sind fröhlich … und ich bin wieder allein.” Oder Sie denken was ganz anderes, wenn Ihnen Weihnachten einfällt …

Was auch immer: Unsere Gedanken bleiben nicht nur flüchtige Gedanken, sondern sie haben massive Auswirkungen, besonders wenn wir sie immer wieder denken. Wir spüren das dann “am eigenen Leibe”. Unangenehme Gedanken ziehen einem das Herz zusammen, lassen unweigerlich das altbekannte Stressgefühl entstehen und allerlei mehr. Genauso bei angenehmen Gedanken: Da wird’s einem plötzlich federleicht ums Herz.

Das ist schon phänomenal! Da liegt ein Ereignis noch in der Zukunft, aber alleine der Gedanke daran führt schon zu massiven körperlichen und emotionalen Reaktionen. Es ist unser innerer Monolog, der jeden Tag unsere Erfahrung der Wirklichkeit bestimmt. Es sind die Gedanken, die wir denken, und die unsere Befindlichkeit beeinflussen.

Wie viele Gedanken schwirren am Tag in Ihrem Kopf herum? Schon mal gezählt? Und wie viele davon sind positiv, wie viele eher negativ?

Irgend jemand hat versucht herauszufinden, wie viele Gedanken einem durchschnittlich im Kopf herumgehen (wenn jemand meiner Leser weiß, wer das war, bitte ich um Nachricht im Kommentar – danke!). Die Zahlen schwanken allerdings: angefangen bei 15.000 bis hin zu 80.000 Gedanken pro Tag. Nehmen wir mal an, es sind so um die 40.000, dann ist das ja eine ganze Menge! Und ein Großteil von diesen 40.000 Gedanken sind solche, die wir heute denken, die wir gestern gedacht haben, und die wir morgen wieder denken werden (repetetive Gedanken). Ein ansehnlicher Teil unserer Gedanken ist eher sorgenvoller, negativer Natur, und nur ein ganz kleiner Prozentsatz ist optimistisch, positiv (durchschnittlich gesehen, natürlich schwankt das von Mensch zu Mensch).

Wie sagte schon der alte Marc Aurel? “Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.” So ist es. In diesem Zusammenhang fällt mir eine Studie ein, die Lee Berk (ein in der Gelotologie wohl bekannter Forscher) in Kalifornien durchgeführt hat. Es ging darum herauszufinden, welche biologischen Mechanismen ausgelöst werden, wenn ein Mensch an ein für ihn freudiges Ereignis denkt, das erst in ein paar Tagen eintreten wird:

Berk und sein Team testeten 16 Männer, von denen die Hälfte drei Tage im voraus informiert wurden, dass sie ein lustiges Video sehen würden. Die Männer, die das Video sahen, zeigten eine Abnahme von Kortisol um 39 Prozent, von Dopac um 38 Prozent und von Epinephrin um 70 Prozent – allesamt Stresshormone. Zur gleichen Zeit stiegen die Endorphin-Spiegel um 27 Prozent und die Spiegel des Wachstumshormons um 87 Prozent. Endorphine und Wachstumshormone senken bekanntermaßen die Auswirkungen von Stress und nutzen dem Immunsystem. Bei den acht Männern, denen gesagt worden war, dass sie das lustige Video nicht sehen würden, wurden diese Veränderungen nicht beobachtet.

“Die Vorfreude auf ein lustiges Erlebnis verändert die Stimmung, was offenbar zu tiefgreifenden physiologischen Veränderungen im Körper führt”, sagte Berk. “Diese Veränderungen der Laune und der Körpers hielten zudem eine gute Weile lang nach dem eigentlichen Erlebnis an. Optimismus und die Erwartung oder Vorfreude auf positive Erfahrungen scheinen bei der Genesung von Krankheiten zu helfen.” Das stütze die Annahme, dass dem Prinzip Hoffnung biologische Mechanismen zugrunde lägen.

Zitiert aus: psychiatrie-aktuell.de (hier zum Original-Artikel, falls online noch verfügbar).

Damit sind wir bei der Psychoimmunoneurologie angelangt, einer wissenschaftlichen Disziplin, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Psyche, Körper und Geist beschäftigt. Doch davon ein ander Mal mehr.

Warum ich Ihnen das alles erzählt habe? Weil ich möchte, dass Sie Ihre Vorfreude auf ein kommendes Ereignis so richtig kultivieren und genießen … es tut Ihnen gut!

PS: Eine probate Methode, die Negativgedanken zu unterbrechen, hat Wolff Horbach in seinem GlücksNetzBlog parat:

Immer dann, wenn uns ein negativer Gedanke kommt, können wir STOPP sagen. In einem kleinen Disput, den wir mit uns selbst führen, können wir überprüfen:

  • Ist es wahr?
  • Gibt es einen Beweis für das, was ich denke?
  • Könnte es auch ganz anders sein?

In den allermeisten Fällen werden wir dann zu der Erkenntnis kommen, dass es für unsere pessimistischen Gedanken keinen Grund und erst recht keine Beweise gibt.

Probieren Sie’s aus!

Einen Kommentar schreiben