Lachen in der Kirche: das Osterlachen – risus paschalis
11 Apr 2009 Hinterlasse einen Kommentar
in Was es sonst noch gibt Schlagworte: Lachen in der Kirche, Osterlachen, risus pascalis
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an Ostern in der Kirchenbank und erwarten einen weihevollen Gottesdienst. Aber plötzlich fängt der Pfarrer an, Witze zu erzählen oder treibt allerhand Schabernack da oben auf der Kanzel! Und statt gelangweilt die Predigt über sich ergehen zu lassen ehrfürchtig der Predigt zu lauschen, fangen einige langsam an zu kichern, und plötzlich – Lachen steckt ja bekanntlich an – wiehert die ganze Gemeinde, dass die Kirchenmauern wackeln.
Eine befremdliche Vorstellung? Jahrhundertelang war das gängige Praxis in der Kirche. Wenigstens einmal im Jahr, an Ostern. Beim Osterlachen. Da war Comedy in der Kirche, und grad lustig, war’s.
Wann das genau los ging, lässt sich schwer sagen. Es muss wohl schon im 14. Jahrhundert gewesen sein, und von da an war das Osterlachen in einigen Regionen bis ins 19. Jahrundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.
Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus “verschluckt” hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Quelle: Wikipedia.
Allerdings ging es im Laufe der Zeit beim Osterlachen immer heftiger zu:
Da zauberten Pfarrer angeblich selbst gelegten Eier aus ihren Gewändern. Anno 1518 kritisierte der Reformator Johannes Oekolampad die Osterbräuche am Baseler Münster, wo Priester bald wie Gänse schnatterten, bald wie ein Kuckuck riefen. Einer soll quiekend auf allen Vieren durch die Kirche gelaufen sein. Und 1643 bekam es Kurfürst Max I. von Bayern mit einer Beschwerde aus Dachau zu tun. Der Pfarrer hatte im „Ostermärlein“ von einem Paar erzählt, das sich auf dem Hühnerboden vergnügte; an passenden Stellen ließ er einen Knecht laut krähen. Quelle: rundschau-online.de.
Den ernsten Reformatoren (Luther, Oekolampad) war solch lachhaftes Getue ein Dorn im Auge. Und auch Vertreter der katholischen Obrigkeit schritten gegen die Comedy-Show in der Kirche ein. Im 18. Jahrhundert wurde das risus paschalis immer seltener; es wurde zunehmend entschärft, bis es sich noch andeutungsweise in den “Ostermärlein” hielt: pietätvolle Geschichten, die dem Kirchenvolk allenfalls ein müdes Lächeln entlocken konnten. Der letzte, der mit Witzen und Anekdoten das Osterlachen parktizierte, soll bis 1906 ein Pfarrer im Landkreis Altötting gewesen sein. In den 70er Jahren wagte es der bayerische Pfarrer Josef Hamberger noch einmal, als er mit dem “Osterg’lachter” seine Gemeinde in der Wallfahrtskirche Fisslkling zum Lachen brachte.
Und heute?
Hie und da wird das Osterlachen wieder entdeckt! Zum Beispiel von Pfarrer Siegfried Gras in Haspe, der an diesem Ostermontag seine Gemeinde zum Osterlachen lädt. Genaueres hier. Oder von Pfarrer Frank Richter in Neu Wulmstorf bei Hamburg. Genaueres hier. Oder von Pfarrerin Patrizia Pascalis (!) in Offenbach (Genaueres hier).
Vielleicht kennen Sie ja auch eine Kirche, in der zu Ostern gelacht wird?
Frohe, heitere Ostern und: Lachen Sie’s gut





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